Tag 68: Wenn der Körper spricht: Neue Verhaltensweisen als Hinweise auf körperliche Beschwerden bei Demenz
- leyroutz
- vor 4 Tagen
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Als Gerontopsychologin erlebe ich immer wieder, wie herausfordernd es sein kann, körperliche Beschwerden bei Menschen mit Demenz zu erkennen. Wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen, verändert sich auch die Art, wie Schmerzen und Unwohlsein ausgedrückt werden.
Frau Blume, deren Mutter an vaskulärer Demenz litt, berichtete mir verzweifelt von plötzlichen Aggressionsausbrüchen – ein gänzlich neues Verhalten bei ihrer sonst so sanftmütigen Mutter. Nach eingehender Untersuchung stellten wir fest: Eine unerkannte Harnwegsinfektion war die Ursache für diese dramatische Verhaltensänderung.
Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Studien zeigen, dass bis zu 80% der Verhaltensänderungen bei Demenz auf körperliche Beschwerden zurückzuführen sein können, die nicht erkannt werden – sei es durch Schmerzen, Infektionen oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
Achten Sie besonders auf diese Warnsignale:
Plötzliche Agitation oder Unruhe kann auf Schmerzen oder ein Delir hindeuten. Beobachten Sie, ob Ihr Angehöriger bestimmte Körperteile schützt oder bei Berührung zurückweicht.
Verändertes Schlafverhalten – sei es vermehrtes Schlafen oder nächtliche Unruhe – kann ein Hinweis auf körperliches Unwohlsein sein.
Appetitlosigkeit oder Schluckbeschwerden können auf Zahnprobleme oder Erkrankungen des Verdauungstrakts hinweisen.
Vermehrtes Schreien oder Rufen – oft als "herausforderndes Verhalten" abgetan – kann ein verzweifelter Versuch sein, auf Schmerzen aufmerksam zu machen.
Das Zurückweisen von bestimmten Aktivitäten, die früher gerne gemacht wurden, kann auf Gelenkschmerzen oder andere körperliche Einschränkungen hindeuten.
Als Angehörige sind Sie in einer einzigartigen Position: Sie kennen die normalen Verhaltensweisen Ihres Familienmitglieds und können Veränderungen oft früher bemerken als medizinisches Personal. Vertrauen Sie Ihrer Intuition.
Führen Sie ein Tagebuch über neue Verhaltensweisen. Notieren Sie, wann sie auftreten, was vorher geschah und wie lange sie andauern. Diese Informationen sind für Ärzte unschätzbar wertvoll. Manchmal brauchen Sie als Angehöriger den Ärzten gegenüber eine gewisse Hartnäkigkeit, Sie handeln im Sinne Ihres Angehörigen.
Denken Sie immer daran: Verhalten ist Kommunikation. Wenn Worte versagen, spricht der Körper. Unsere Aufgabe ist es, diese Sprache zu verstehen und zu übersetzen – zum Wohle unserer Angehörigen mit Demenz.

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