Tag 69: Die Kunst der Deeskalation: Konflikte mit demenzkranken Angehörigen entschärfen
- leyroutz
- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Es beginnt oft mit einer Kleinigkeit. Eine falsch verstandene Bemerkung, eine ungewohnte Umgebung, eine Aufforderung, die nicht verstanden wird – und plötzlich befinden wir uns mitten in einem emotionalen Sturm.
Als Gerontopsychologin weiß ich, dass Konflikte mit demenzkranken Angehörigen zu den belastendsten Aspekten der Pflege gehören können.
Doch hinter jedem Konflikt steckt eine Botschaft, die entschlüsselt werden will. Menschen mit Demenz reagieren nicht "grundlos schwierig" – sie reagieren auf eine Welt, die für sie zunehmend unverständlich und beängstigend wird.
Ein Schlüssel zur Deeskalation liegt im Verständnis der "emotionalen Wahrheit". Wenn Ihre Mutter darauf besteht, dass heute ihr erster Arbeitstag ist, obwohl sie seit 30 Jahren im Ruhestand ist, geht es nicht darum, sie zu korrigieren. Es geht darum, die Emotion hinter dieser Überzeugung zu erkennen – vielleicht Stolz auf ihre berufliche Identität oder den Wunsch, nützlich zu sein.
Praktische Strategien, die ich meinen Klienten empfehle:
Atmen Sie bewusst, bevor Sie reagieren. Ihre Ruhe ist ansteckend – ebenso wie Ihre Anspannung.
Validieren Sie die Emotion, nicht die falsche Überzeugung: "Ich sehe, dass du aufgeregt/besorgt/verärgert bist" statt "Das stimmt doch gar nicht."
Lenken Sie sanft ab, anstatt zu konfrontieren. "Bevor du zur Arbeit gehst, lass uns noch einen Kaffee trinken" kann Wunder wirken.
Vermeiden Sie "Warum"-Fragen, die oft als Angriff empfunden werden können.
Schaffen Sie einen sicheren Raum für Emotionen. Manchmal braucht es nur ein "Es ist okay, traurig/wütend zu sein" und eine unterstützende Umarmung.
Herr Blume, der seinen an Demenz erkrankten Vater betreut, erzählte mir von dessen wiederholten Vorwürfen, er hätte Geld gestohlen. Anstatt sich zu rechtfertigen oder zu streiten, begann er zu sagen: "Ich verstehe, dass du dir Sorgen um dein Geld machst. Das kenne ich auch. Diese Herangehensweise – die Sorge ernst nehmen, ohne die Anschuldigung zu bestätigen – führte zu einer deutlichen Abnahme der Konflikte.
Denken Sie daran: Bei Demenz verändert sich nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren. Oft ist ein "schwieriges Verhalten" ein Ausdruck von Überforderung, Angst oder Unbehagen, das nicht anders kommuniziert werden kann.

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